Starkwind – Kenterung und eine Zieltonne auf Abwegen

Die diesjährige Yardstick Open im ASC wird allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben. Schon vor dem ersten Start sorgten die Bedingungen für Herausforderungen: Aufgrund des starken Westwinds mit 25 bis 30 Knoten musste die Wettfahrtleitung zunächst eine Startverschiebung anordnen.
Von den 15 gemeldeten Booten wagten schließlich sieben Crews den Start vor der Herrschinger Bucht. Bereits in der ersten Runde zeigte sich, dass die Bedingungen anspruchsvoll waren. Nach der ersten Runde befanden sich nur noch drei Boote auf der Bahn, während der Wind nochmals deutlich zulegte.
Zeitgleich waren die Tonnenleger gemeinsam mit der Wasserwacht damit beschäftigt, einen gekenterten 15er Jollenkreuzer aufzurichten. Die Bergungsarbeiten verliefen nicht ohne Folgen: Der Tonnenleger wurden durch Leinen in den Schrauben manövrierunfähig.
Während der zweiten Runde ist das Leefass inzwischen bis in Richtung Rieder Eck abgetrieben. Die verbliebenen Teilnehmer mussten deshalb weit in die Herrschinger Bucht hineinsegeln. Der Weg dorthin war allerdings rekordverdächtig schnell: Unter Gennaker benötigten wir für den Downwind-Schenkel keine zwei Minuten.
Das Manöver an der Leetonne gelang problemlos. Der Gennaker wurde rechtzeitig geborgen und trotz zahlreicher Kiter, die kreuz und quer durch das Revier unterwegs waren, kamen wir ohne Zwischenfälle durch. Anschließend wartete jedoch wieder eine lange und kräftezehrende Zielkreuz zurück zum Startschiff – inklusive einiger spektakulärer „Kopfstände“.
Nach dem Zieleinlauf wurde traditionell mit einem kräftigen Schluck Portwein auf die gelungene Wettfahrt angestoßen, bevor wir das Boot klar machten und auf die beiden J/70 warteten, die ebenfalls sicher ins Ziel kamen.
Während wir anschließend vor dem Startschiff kreuzten, stellte sich die Frage, ob angesichts der abgetriebenen Bahnmarken und der ausgefallenen Tonnenleger überhaupt noch eine weitere Wettfahrt möglich sein würde. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten – allerdings anders als erwartet.
Als wir hinter dem Startschiff vorbeisegelten, wurde die Leine der Zieltonne eingeholt. Unglücklicherweise geriet unser Kiel dabei in die Leine und wir waren schlagartig gefangen. Das Boot legte sich auf die Seite und die geplante Nachfrage nach weiteren Wettfahrten war zunächst erledigt.
Also hieß es: Großsegel bergen, die Boje vom Schiff lösen und provisorisch am Heckkorb befestigen. Kaum wieder unter Segeln, machte sich die Tonne jedoch selbstständig und trieb erneut in Richtung des Kiterfeldes davon.
Was folgte, war ein ungeplantes Privatrennen zwischen unserem Boot und der Zieltonne. Kurz vor der Untiefenmarkierung am Rieder Eck gelang es uns tatsächlich, die Ausreißerin wieder einzufangen und an einer langen Leine auf Schlepp zu nehmen. Von da an hatten wir das Ziel stets in Sichtweite.
Inzwischen hatte das Startschiff die Wettfahrten mit den Signalen N über AP beendet und nahm die beiden manövrierunfähigen Tonnenleger auf Schlepp. Auch wir schleppten unsere Zieltonne zurück Richtung Club und erreichten nach einem ereignisreichen Tag mit zahlreichen Showeinlagen wohlbehalten den Hafen.
Der gekenterte Jollenkreuzer konnte schließlich durch unseren Bootsbauer Peter Liebner geborgen, in den Hafen geschleppt und leergepumpt werden. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden. Lediglich eine Segeljacke blieb auf dem Grund des Ammersees zurück.
So bleibt als Fazit ein außergewöhnlicher Regattatag mit viel Wind und einigen unerwarteten Herausforderungen. Langweilig war dieser Regattatag jedenfalls nicht.
Fritz Klingl
Ergebnisse:
